Ein Gedicht von Astrid Lindgren
Wäre ich Gott, dann würde ich weinen
über die Menschen, sie, die ich geschaffen
zu meinem Ebenbild.
Wie ich weinen würde über ihre Bosheit
und Gemeinheitund Rohheit und Dummheit
und die armselige Güte und hilflose Verzweiflung
und Trauer.
Und wie ich weinen würde über ihre Herzensangst
und ihren ewigen Hunger ihre Sorge
und Todesfurcht und trostlose Einsamkeit
und über ihre Schicksale,
ihre erbärmlichen kleinen Schicksale
und ihr blindes Tastennach jemand...
irgendeinem! Vielleicht nach mir!
Und wie ich weinen würde über alle Todesschreie
und alles Blut, das so vergeblich fließt,
so zutiefst vergeblich, und über den Hunger
und die Hoffnungslosigkeit und die Not
und alle wahnsinnigen Qualen und einsame Tode
und über die Gefolterten, die schreien und schreien,
und über die Folterer noch mehr.
Und dann die Kinder, alle, alle Kinder,
über sie würde ich am allermeisten weinen.
Ja, wäre ich Gott,
gewiss würde ich viel über die Kinder weinen,
denn nie habe ich mir gedacht,
dass sie es so wie jetzt haben sollten.
Ströme, Ströme würde ich weinen, damit
sie ertrinken könnten in den gewaltigen Fluten
meiner Tränen, alle meinen armen Menschen,
und endlich Ruhe wäre.
Deutsch von Anna- Lisa Kornitzky